Gutachten

Normative Grundlagen für die Erstellung von Sachverständigengutachten für Photovoltaikanlagen

 

Die Grundlage für die Bewertung von Photovoltaikanlagen und die Erstellung von Gutachten sowie die Abnahme von PV-Anlagen ist der Allgemein anerkannte Stand der Technik.

Sobald sich gewisse Standards und Anforderungen als Allgemein anerkannter Stand der Technik in der Photovoltaikbranche etabliert haben, werden sie für jeden zugänglich als Normen oder Anwendungsregeln formuliert. Auch die Versicherungswirtschaft hat ein großes Interesse an einem sicheren Betrieb von Photovoltaikanlagen. Zu diesem Zweck wurden die VDS Richtlinien und Merkblätter für PV-Anlagen erarbeitet und werden ständig aktualisiert und erweitert.
Für die Bereiche der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV) und für elektrochemische Speicherlösungen sind aktuell neue Normen und Anwendungsregeln in Arbeit.

 

Auszug einiger Normen für PV-Anlagen:

  • VDE 0100-712 (IEC 60364-7-712): Errichten von Niederspannungsanlagen
  • VDE 0185-305-3 Beiblatt5 (IEC 62305-3): Blitzschutz für PV-Anlagen
  • VdS 2010: Risikoorientierter Blitz- und Überspannungsschutz
  • VDE 0126-23 (IEC 62446): Netzgekoppelte Photovoltaik-Systeme, Systemdokumentation
  • DIN VDE 0100-410 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag
  • VdS 2025: Elektrische Leitungsanlagen – Richtlinien zur Schadenverhütung
  • VDE-AR-N 4105: Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz – Technische Mindestanforderungen für Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz
  • VDE-AR-E 2100-712: Maßnahmen für den DC-Bereich einer Photovoltaikanlage
  • VDE 0510-39 & 0510-35 (DIN EN 62619 & 62620) Entwurf: …Lithium-Akkumulatoren und -batterien für industrielle Anwendungen

 

 

Sachverständigengutachten für Photovoltaikanlagen werden bei ganz unterschiedlichen Fragestellungen erforderlich:

 

Schadensgutachten werden im Versicherungsfall erforderlich und von der Versicherung angefordert, wenn die Schadensursache und die Ersatzpflicht dem Grunde und der Höhe nach festgestellt werden muss. Im Allgemeinen beinhaltet das Gutachten auch Empfehlungen zur Wiederherstellung der Photovoltaikanlage. Ist ein Schaden an der Photovoltaikanlage durch eine Mangel bei der Errichtung der PV-Anlage oder durch einen Materialfehler bei einem der Komponenten entstanden, liegt es im Interesse des Betreibers, die Schadensursache und Schadenshöhe unabhängig von einem Sachverständigen ermitteln und dokumentieren zu lassen, um im Rahmen der Gewährleistungspflicht Ansprüche beim Errichter geltend machen zu können. Die Folgeschäden, die durch einen Material oder Konstruktionsfehler verursacht wurden, werden von vielen Photovoltaikversichrungen (Allgefahrenversicherung) abgedeckt, während der Material- oder Konstruktionsfehler selbst nicht versichert ist. Hier ist der Errichter im Rahmen der Gewährleistung in der Pflicht, nachzubessern.

 

Mängelgutachten dienen der Bestandsaufnahme des Zustandes einer Photovoltaikanlage, um z.B. beim Solarteur eine Nachbesserung der Mängel durchzusetzen oder um bei einem Verkauf der PV-Anlage die Mängelfreiheit nachzuweisen. Da eine Vielzahl typischer Mängel für den sicheren Betrieb der Photovoltaikanlage relevant sind, dienen Mängelgutachten und die anschließende Beseitigung der Mängel weiterhin der Vermeidung von Schäden und Risiken an Mensch und Tier sowie zur Minimierung des Betreiberrisikos durch vorzeitige Ertragseinbußen und zu Vermeidung von Brandrisiken. Beachten Sie die Gewährleistungsfristen von in der Regel zwei Jahren, innerhalb derer Sie eine Nachbesserung durchsetzen können. Empfehlenswert ist ein Mängelgutachten  oder Abnahmeprotokoll bereits bei der Inbetriebnahme im Rahmen einer formellen Abnahme erstellen zu lassen und die Begleichung der Schlussrechnung an die Beseitigung der festgestellten Mängel zu knüpfen.

 

Gerichtsgutachten können von einer der beteiligten Parteien in Auftrag gegeben werden, um den strittigen Sachverhalt zu klären. Vor Gericht wird ein Parteigutachten wie eine fachliche Zeugenaussage der betreffenden Partei bewertet. Das Gericht selbst bestellt ein unabhängiges Sachverständigengutachten bei einem Gutachter, der unbefangen sein muss und daher keine private oder geschäftliche Beziehung zu einer der beteiligten Parteien haben darf.

 

Wertgutachten werden immer häufiger benötigt, weil bei der zunehmenden Anzahl an PV-Anlagen auch immer mehr Photovoltaikanlagen verkauft oder vererbt werden. Das Wertgutachten berücksichtigt nicht in erster Linie den Wert der Komponenten, sondern richtet sich in erster Linie nach der Renditeerwartung, die sich bei älteren Photovoltaikanlagen zur Volleinspeisung entsprechend dem Ertrag am Standort vor allem durch die Rahmen des EEG erwartete Höhe der Einspeisevergütung des produzierten Stroms ergibt. Bei neueren PV-Anlagen fließt zusätzlich der Eigenverbrauchsanteil oder auch eine Direktvermarktung in die Renditeberechnung ein. Mängel und Besonderheiten bei der PV-Anlage müssen hierbei wertmindernd berücksichtigt werden.

 

Ertragsgutachten geben dem Betreiber eine Auskunft über die zu erwartenden Erträge einer Photovoltaikanlage an dem entsprechenden Standort. Für die solide Finanzierung einer Photovoltaikanlage ist eine zuverlässige Vorhersage der Erträge unerlässlich.

 

 

Welche Sachverständige und Gutachter gibt es, und was unterscheidet sie?

Damit Sie die unterschiedlichen Arten von Sachverständigen besser einordnen können und warum es TÜV zertifizierte Sachverständige gibt, sind die Begriffe und Unterschiede hier kurz erläutert.

 

Sachverständiger

Der Begriff und die Berufsbezeichnung Sachverständiger sind nicht geschützt. Ein Sachverständiger ist eine integre Person, die auf einem oder mehreren Gebieten, wie z.B. der Photovoltaik, über besondere und überdurchschnittliche Sachkunde und Erfahrung verfügt. Dadurch ist er in der Lage, Aussagen und Bewertungen zu einem ihm vorgelegten Sachverhalt zu treffen und auch in Wort und Schrift nachvollziehbar darzustellen.
Der Ausdruck Sachverständiger wird besonders bei Gerichten für Gutachter und Berater aber auch bei Versicherungsschäden zur Feststellung der Schadensursache, des Umfangs und der Schadenshöhe verwendet. In den genannten Fällen wird ein schriftliches Gutachten zu dem Sachverhalt verfasst.

Natürlich kann auch jede Privatperson und jeder Anlagenbetreiber einen Berater und Gutachter zu Rate ziehen. Der Umfang der Leistung wird individuell vereinbart und reicht von einem Beratungsgespräch bis zur Anfertigung eines umfassenden Gutachtens. Der Umfang ergibt sich häufig aus dem ersten Gespräch, dem geschilderten Sachverhalt und Problemen und den vermuteten Ursachen für Schäden, Mängel oder zu geringen Erträgen.
Sachverständige werden weiterhin häufig beauftraget, um Anlagen bei Inbetriebnahme abzunehmen und auf Mängelfreiheit zu prüfen oder um Mängel festzustellen und zu dokumentieren, um beim Lieferanten Nachbesserung geltend machen zu können.

 

Welche Arten von Sachverständigen gibt es?

  • “Freie Sachverständige”
    Da die Bezeichnung Sachverständiger nicht geschützt ist, kann sich jeder, der über eine besondere Fachkunde und Erfahrung auf einem Gebiet besitzt, auch Sachverständiger und Gutachter für dieses Gebiet nennen.
  • “Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger”
    Beim öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen handelt es sich um eine geschützte Bezeichnung.
    Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige gibt es nur in Deutschland. Die Bestellung erfolgt in der Regel durch eine Industrie- und Handelskammer, eine Handwerkskammer oder auch eine Landwirtschaftskammer.
  • “TÜV zertifizierte Sachverständige und Gutachter”
    Die Errichtung von Photovoltaikanlagen ist kein Ausbildungsberuf, da hier mehrere Disziplinen und Gewerke wie Elektrotechnik, Dachdeckerhandwerk und Statik berücksichtigt werden müssen. Daher hat der TÜV Rheinland 2011 neben der Bestellung von Photovoltaiksachverständigen durch die Industrie- und Handelskammern und Handwerkammern eine spezifische Weiterbildung und Zertifizierung von Sachverständigen und Gutachtern für Photovoltaikanlagen eingeführt. Dabei werden alle Gewerke übergreifenden Themen an Sachverständige mit umfangreichen Erfahrungen und Vorkenntnissen gezielt vertieft und auch die typischen Schadensbilder und Schadensursachen vermittelt und anschließend schriftlich geprüft.
    Die Zertifizierung ist zeitlich begrenzt und kann nur durch Nachweis von kontinuierlicher Weiterbildung in Form von Teilnahme an relevanten Seminaren sowie einer erfolgreichen Überprüfung der Kenntnisse verlängert werden.
    TÜV zertifiziere Gutachter sind aufgrund der internationalen Aktivitäten des TÜV und der hohen Bekanntheit und guten Renommees auch im Ausland sehr gefragt und anerkannt.